Weltenfluechters Welt
das war gestern
Freitag, 26. Oktober 2007, 18:12
Gestern hab ich das erste Mal wieder geschrieben (nagut zwischendurch waren ein paar Gedichte in endlos vielen unterschiedlichen Notizbüchern). Gestern aber das erste mal wieder so etwas wie eine kurze Geschichte. Inspiriert von einem Wettbewerb auf der Website literature.de. unter dem Thema write&change werden monatliche Luftbildaufnahmen von Gehard Launer ausgewählt, zu diesen soll dann eine Geschichte geschrieben werden. Die Gewinnergeschichte des Monats wird vertont.

Jedenfals dafür hab ich was kleines geschrieben, allerdings nicht wirklich um an dem Wettbewerb teilzunehmen (obwohl ich sie gepostet hab). Ich fand das Bild so schön. ;)

Hier ist sie jedenfals:

Unsere Insel war nur ein Quadrat im Nichts. Eingeklemmt zwischen den Weiten, sandgrauer, abgegraster Felder, auf denen einst gelbgoldene Ähren vom lauem Sommerwind hin und her gewogen wurden. Wie ein Meer aus Gold und Licht in dessen Mitte unser kleines Eiland lag, an das wir uns wie Schiffbrüchige klammerten, verzweifelt, in einer Mischung aus Wahnsinn und Angst.
In deinen Augen war das Blau des Sommerhimmels, klar und frei von grauen Wolken. Nur die Sterne tanzten bei Nacht in ihnen und der Mond ließ deine Haut so hell werden, dass ich manchmal nicht mehr wusste, ob du schon ein Teil von ihm oder noch ein Teil von mir warst. Du warst so kalt in meinen Armen, bis ich die warmen Decken über dich zog und uns beide wärmte.
„Sei nicht traurig.“, hast du oft gesagt und mich dabei angesehen mit einer Mischung aus Mitleid und Liebe, die mir die Tränen in die schattengrauen Augen trieb. Denn ich war es, der Mitleid für dich empfand und meine Traurigkeit war der Spiegel für deine Leiden, die du so sorgfältig vor mir verbergen wolltest.
„Ich sterbe, wenn der Herbst die Bäume glutrot färbt. Dann wirst du mich in die kalte Erde legen und nur den Wind bei mir zurücklassen.“, wie könnte ich deinen Wunsch nicht erfüllen. Ich wusste, dass diese Insel den Gezeiten unterlegen war, dass nur im Sommer das Meer um sie wogte.

Wie schwer es war zu gehen, als würde jeder Schritt von durchnässten Kleidern gehemmt. Die Farbenpracht deiner Insel, weit leuchtend im grellen Herbstlicht, blieb noch lange Zeit in meinem Rücken.
Nur die Erinnerung an einen letzten Inselsommer, ein rotes Blatt zwischen den Seiten eines alten Buches, ging diesen Weg mit mir.


Weltenfluechterin

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